Léo Ferré

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Das rote Plakat


Ihr habt weder die Tränen, noch den Ruhm,
Weder die Orgel, noch das Gebet für die Sterbenden gefordert.
Elf Jahre lang bereits, wie lange elf Jahre sein können.
Ihr habt Euch lediglich Euerer Waffen bedient,
Der Tod blendet nicht die Augen der Partisanen.
Ihr hattet Euere Portraits an den Wänden unserer Städte
bart- und nachtgeschwärzt, struppig und beängstigend.
Das Plakat, das einer Blutlache ähnelte,
Weil Euere Namen so schwer auszusprechen sind,
sprang von ihnen die Angst auf die Vorbeigehenden über.
Nichts an Euch schien auf den ersten Blick französisch,
Die Leute gingen täglich an Euch vorüber, ohne Euch eines Blickes zu würdigen,
Aber am Tag des Waffenstillstands hatten sie unter Euere Fotos
mit erhobenem Zeigefinger "Gestorben für Frankreich" geschrieben.
Und die öden Morgen hatten sich verändert,
Alles hatte diese eintönige Farbe letzten Rauhreifs,
irgendwann, Ende Februar, als einer von Euch ganz ruhig sagte:
"Glück Euch Allen! Glück all denen, die überleben!
Ich sterbe ohne Hass für das deutsche Volk in mir zu haben."
Adieu Schmerz und Freude, Adieu ihr Rosen,
Adieu Leben, Adieu Licht und Wind.
Heirate, sei glücklich und denke oft an mich
Du, in all den schönen Dingen aufgehend
wenn alles vorüber, später dann in Eriwan.
Eine prächtige Wintersonne erstrahlt den Hügel
wie schön die Natur ist, wie der Wind mich schaudern läßt.
Die Gerechtigkeit wird in unsere siegreichen Fußstapfen treten
Meine Verwirrte, oh meine Liebe, meine Waise
Und ich sage, Du sollst leben und ein Kind bekommen.
Sie waren dreiundzwanzig, als die Gewehre blühten
Dreiundzwanzig, die ihr Herz vor der Zeit hergaben
Dreiundzwanzig Ausländer und trotzdem unsere Brüder
Dreiundzwanzig zum Sterben ins Leben verliebte
Dreiundzwanzig, die "La France" schrien, als sie fielen.

traduction Erich Meier

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