Léo Ferré

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Das Idol


Ich bin um viertel nach Acht hier angekommen
Und habe eine Kippe abbrennen lassen, während ich meine Post las
In dieser Künstlerkemenate, wo aller Ruhm endet
Gerade mal genug Zeit, sich etwas zurechtzumachen
Sieh mich an
Ich bin ein Idol
Ich habe meine Wangen an die Rasierklinge gehalten
Wenn man seine Fresse unter den Strahlern verkauft
Kann man sich nicht erlauben schwarze Haare und einen
Weißen Bart zu haben, noch nicht einmal für 'ne dreiviertel Stunde
Mal habe ich mir Schuhe angezogen, mal Stiefeletten
mal Mokassins, es ist jedesmal anders
Und was das Gehen zwischen zwei Chansons angeht
Ich würde es gerne barfuß tun, nur das schickt sich nicht
Sieh mich an
Ich bin ein Idol
Wenn ich mir meine Augen geschminkt habe, so nur, um die
Gucker, die mir Mama geschenkt hat, größer aussehen zu lassen
Ich hätte sie gerne grün, so mach ich glauben
Aber in Wirklichkeit sind sie braun
Ich habe meinen Anzug angezogen, direkt aus der Reinigung,
Dieser Kleiderkammer, in der selbst die Schwermut gewaschen wird
Ein Sänger, der die Revolution besingt
Der schmeißt seine Krawatte hin, der bindet sich Dantons Kragen um
Sieh mich an
Ich bin ein Idol
Ich habe mir meine Fresse mit einem Rest alter Sonne gebräunt
Jener, die man mir in der Parfümerie in Tubenform gibt
Und wenn ich mir meine Glupscher reibe
Rinnen die Sturzbäche und man hält sie für Tränen
Wenn dann alles vorbei ist und der Vorhang gefallen
Und ich höre, wie das vertraute Gemurmel abebbt
Und von den Besuchern zwischen den Kulissen
nichts bleibt, außer einer aufgeladenen Stille
Sieh mich an
Ich bin ein Idol
Und ich finde meinen Körper wieder, der mir morgens
So bekannte, wenn ich Ich bin
Derselbe, den man sieht, den man zeigt
Wem und aus welchem Grund auch immer
Und ich gehe essen, mit meinen Kumpels in eine
Ecke gequetscht, über meiner Abrechnung hängend,
Die Hände schützend vor dem Gesicht, die Tische entlang schleichend
Leise das Ende meines Liedes vorsagend
Seht mich an
Ich bin nur ein Künstler

traduction Erich Meier

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