Biographie
Léo Ferré wurde am 24. August 1916 in Monaco geboren. Er stammte aus einem sehr religiös geprägten Elternhaus. Sein Vater war Personalchef bei der fürstlichen Kurverwaltung. Seine Mutter war italienischer Herkunft, aus dieser Linie kommt sicherlich auch seine musikalische Ader. Ein Onkel mütterlicherseits war Musiker im monegassischen Orchester. Die Schuljahre verbrachte Ferré im klösterlichen Internat im italienischen Bordighera, wohin das Internat 1904 aus Marseille umgezogen war. Für den damals schon recht freidenkenden Jungen eine Katastrophe. Entgegen den Vorstellungen seines Elternhauses, wo man ihn gerne in der Verwaltung mit einem guten Job gesehen hätte, wurde Ferré Musiker. Mit seiner ersten Frau wohnte er in einem kleinen Dorfnahe Monaco und bewirtschaftete ein kleines Anwesen. Autodidaktisch bildete er sich musikalisch weiter und erhielt Theoriestunden in Komposition von Leonid Sabaniev, einem verarmten russischen Emigranten, der in seiner Jugend bei Skrjabin studiert hatte. Die Bezahlung erfolgte in Form von Naturalien.
Nach Kriegsende ging Ferré nach Paris. Er debütierte in kleinen Musikkellern, in denen er seine ersten Chansons vortrug. Viele seiner Chansons wurden auch von anderen Interpreten mit großem Erfolg gesungen. Es folgte die Trennung von seiner Ehefrau und die Hochzeit mit Madeleine, einer jungen Frau, die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Einem zufälligen Treffen mit Fürst Rainier von Monaco in Paris folgte die Einladung nach Monte Carlo, wo er das "Chanson du mal aimé" von Apollinaire eindrucksvoll orchestrierte und selbst aufführte.
Wieder zurückin Paris folgten zwar Plattenaufnahmen, kommerzieller Erfolg war ihm dennoch nicht beschieden. Anfang der sechziger reüssierte er mit großen Auftritten im Olympia, dem Mekka des Chansons, zusammen mit seinem Freund und Techniker Maurice Frot und dem blinden Paul Castanier am Klavier. Während fünfzehn Jahren waren diese ein unzertrennliches Dreiergespann, ihre Wege sollten sich erst 1973 trennen und Léo Ferré und Maurice Frot erst kurz vor Ferrés Tod wieder zusammenführen. "Popaul" Castanier starb 1991 im Alter von sechsundfünfzig Jahren.
Ferré, den viele für "den" französischen Poeten des 20ten Jahrhunderts halten, hat uns ein respektables Werk hinterlassen. Da sind seine Kompositionen und die Aufführungen mit dem Mailänder Symphonieorchester, seine Vertonungen von Rutebeuf, dem französischen Pendant zu Walter von der Vogelweide und von Villon, dem Straßendichter und Priestermörder des ausgehenden Mittelalters. Dazu die Musik zu den Klassikern des 19ten Jahrhunderts. Charles Baudelaire, Paul Verlaine und vor allem Arthur Rimbaud, der im Alter von zwanzig Jahren mit dem Schreiben aufgehört hatte und zu dem sich Ferré besonders hingezogen fühlte.